Illerup-dalInhaltsverzeichnis1:
Lage
|
|
|
Illerup dal, das sich vom Moss im Westen bis Stilling im Osten erstreckt, ist von Mornenhgeln umgeben und war seit der letzten Eiszeit ein langgestreckter, bis zu 25 m tiefer See. Durch Sedimentationsprozesse und Torfbildung, auf die eine Erosionsperiode folgte, wurde der Bereich bis zur rmischen Kaiserzeit in eine Reihe kleinerer Seen umgebildet, die durch einen Flulauf verbunden waren. Der Fund von Illerup konnte in einem dieser kleineren Seen entdeckt werden, der in der rmischen Kaiserzeit ca. 400x250 m gro und bis zu 4 m tief war
Teile von Illerup dal wurden im Jahr 1950 von Meliorationsmanahmen betroffen, im Mai des gleichen Jahres wurden beim Anlegen von Entwsserungsgrben erste Funde entdeckt. ltere Fundmeldungen liegen nicht vor, obwohl der Verlauf des Baches in den 1930er Jahren begradigt wurde. Das Forhistorisk Museum in Aarhus grub in den Jahren 1950 bis 1956 insgesamt 750 m2 aus und sicherte ca. 1200 Funde. 1975 wurden die Ausgrabungen erneut aufgenommen; durch insgesamt 11 Grabungskampagnen konnten bis 1985 40.000 m2 des ca. 100.000 m2 groen eisenzeitlichen Sees aufgedeckt werden, der in den Jahrhunderten seit den Deponierungen in einen feuchten Auenbereich umgebildet worden war.
Nach Abschlu der Ausgrabungen im Jahr 1985 wurde ein Publikationsplan fr den gesamten Fund entwickelt. Aufgrund seines Umfanges wurde das Material nach unterschiedlichen Materialgruppen unterteilt, die besonders zur Erforschung bestimmter Problemstellungen geeignet erschienen. Im ersten Teil der Illerup-Publikation (1) wurden die Speer- und Lanzenspitzen vorgelegt, um so eine berregionale Waffenchronologie entwickeln zu knnen, die als Werkzeug zur weiteren Analyse sowohl des Fundes von Illerup als auch der brigen sdskandinavischen Moorfunde und der relevanten Waffengrber dienen sollte.
Band 3-4 der Illerup-Publikation (2) sind den persnlichen Ausrstungen der Krieger gewidmet. Hierzu gehren Grtel sowie die an ihnen befestigten Werkzeuge und Gegenstnde des persnlichen Bedarfs. Diese Grtelgarnituren sind von Schwertgurten sowie den Sattel- und Zaumzeugriemen des Pferdegeschirrs zu unterscheiden. Allgemein stellen die Grtel eine gute Grundlage fr eine weiterfhrende Diskussion zur Provenienz der Materialien in den Moorfunden und zu deren Interpretation als Kriegsbeuteopfer da. Die Prachtausrstungen wurden in den Bnden 5-8 (3) untersucht, wobei mit Hilfe der Pferdegeschirre sowie ausgewhlter Schilde, Schwertgurte, Schwertgriffe u.a. die hierarchischen Strukturen in einem germanischen Heer der rmischen Kaiserzeit vor dem Hintergrund der allgemeinen gesellschaftlichen Verhltnisse diskutiert wurden. Die Publikationsreihe zum Fund von Illerup soll mit zwei Bnden zu den Schilden, einem zu den Schwertern und einem weiteren zu den verbleibenden Fundgruppen wie Pfeilen und Bgen, xten, Perlen, Schmuckgegenstnden, Fibeln, Mnzen u.a. abgeschlossen werden.
|
|
Die Funde wurden in einem basischen Moor deponiert (Muschelgytje mit einem ph-Wert von 8,5), was bedingt, da Metallgegenstnde, Holz, Knochen, Geweih und pflanzliche Fasern (Schnre) erhalten blieben, whrend Leder und Wolle vergangen sind.
Die Ausgrabungen erbrachten Waffen und Ausrstungen von Kriegern, die ber den gesamten erforschten Bereich verteilt waren, so da sich eine Ost-West-Ausdehnung des Fundplatzes von ca. 400 m und eine Nord-Sd-Ausdehnung von mehr als 200 m ergibt. Da die chronologische Verteilung der Funde auf einen Deponierungszeitraum zwischen ca. 200 n. Chr. bis um ca. 500 n. Chr. andeutete, war bereits zu Beginn der Forschungen in Illerup im Jahr 1950 gesichert, da die ergrabenen Gegenstnde nicht im Zuge einer einzigen Niederlegung in das Moor gelangt sein konnten.
Mit Hilfe der mehr als 1000 Fragmentzusammensetzungen (1, Abb. 15; 2, Abb. 1) konnten drei Gruppierungen nachgewiesen werden, die untereinander keinerlei Verbindungen aufweisen. Dabei handelt es sich um Platz A, der aus einer groen Anzahl von Fundkonzentrationen besteht, die sich ber das gesamte Grabungsareal verteilen, Platz B, der sich auf ein relativ kleines, abgegrenztes Areal am sdlichen Ufer des ehemaligen eisenzeitlichen Sees beschrnkt, und Platz C, der - von Platz B getrennt - stlich von diesem liegt. Diese drei Pltze unterscheiden sich zugleich durch die bewute Zerstrung der Waffen und Ausrstungen unmittelbar vor deren Deponierung, wobei bei Platz A und vermutlich auch bei Platz B das Material unverbrannt niedergelegt, whrend es bei Platz C vor der Deponierung verbrannt wurde. Die Funde von Platz A wurden in aller Regel von Booten aus im See versenkt, whrend jene von Platz B und C vom Ufer aus in den See geworfen wurden. In einzelnen Fllen wurden Gegenstnde von Platz C ber solchen von Platz A aufgefunden (10-20 cm in 30 m Abstand vom Seeufer), ansonsten sind fr die Interpretation der Befunde ausschlielich horizontale Verbreitungsmuster von Bedeutung
|
|
Der Fund von Illerup enthlt insgesamt 735 Lanzenspitzen (ohne Widerhaken) und 612 Speerspitzen (mit einem oder zwei Widerhaken) (1). Diese Fundgruppen eignen sich aus verschiedenen Grnden ideal fr chronologische Studien. Zunchst knnen die unterschiedlichen Typen aufgrund ihres guten Erhaltungszustandes eindeutig und differenziert beschrieben werden, zum anderen liegt aus nordeuropischen Grabfunden ein reiches Vergleichsmaterial vor, zuletzt sind in sicher dokumentierten nordeuropischen Grbern oftmals eine Lanze und ein Speer kombiniert. Da es in vielen Fllen zudem mglich ist, die Kombination dieser Waffen mit den ebenfalls typologisch empfindlichen Schildfesseln und -buckeln zu analysieren, wird die Aussagekraft der Typenkombinationen noch weiter betont. Seit dem Ende der Periode B1 bis zum Ende der Periode D1 kann das Waffenmaterial so auf 12 Waffenkombinationsgruppen verteilt werden, die sowohl mit den Waffendeponierungen in Mooren als auch mit skandinavischen Waffengrbern korrelierbar sind. Es mu hierbei angemerkt werden, da die Chronologie der nordeuropischen Waffen in ihrer internen Ordnung nicht von anderen relativen Chronologien abhngig ist.

Durch die Kartierung bestimmter Typen, die Fragmentzusammensetzungen und die Verteilung der Lanzenspitzen vom Typ Vennolum, Skiaker und Havor (2, Abb. 1) kann die innere Struktur des Fundplatzes erkannt werden. Platz A mit den Lanzen vom Typ Vennolum ist im gesamten ausgegrabenen Areal belegt, whrend die Lanzenspitzen vom Typ Skiaker bzw. Havor nur in jenem Bereich nachweisbar sind, in den die Fragmentzusammensetzungen Platz B und Platz C umschreiben. Dazu kommt die jngste Deponierung in Illerup, Platz D, die sich am Ostufer des ehemaligen Sees befindet (1, Abb. 14). Durch die Fragmentzusammensetzungen kann ferner nachgewiesen werde, da die so verknpften Fundkonzentrationen als ein geschlossener Fund betrachtet werden mssen und da Platz A anllich einer einzigen Deponierung in den ehemaligen See gelangte. Platz A ist der Waffenkombinationsgruppe 5 zuzuordnen, die mit dem frhen Abschnitt der Periode C1b parallelisiert werden kann. Platz B gehrt der Waffenkombinationsgruppe 6 an (Periode C1b), whrend Platz C der Gruppe 11 zuzuweisen ist, die dem bergang von Periode C3-D1 entspricht. Platz D ist der Waffenkombinationsgruppe 12 zuweisbar (jngerer Abschnitt der Periode D1).
Die absolute Chronologie des Fundes kann durch die rmischen Mnzen (2, Liste 60, in allen Fllen Denare mit einer Schlumnze aus dem Jahr 187/88 n. Chr.) sowie durch die dendrochronlogische Analyse der Schildbretter aus Eiche von Platz A (7) festgelegt werden. Diese stammen von Bumen, die zwischen 164 n. Chr. und nach ca. 205 n. Chr. (basierend auf Schtzungen zu einigen Hlzern mit Splintholz) gefllt wurden.
|
Platz A |
Platz A/B |
Platz B |
Platz C |
Platz D |
|
|
Lanzenspitzen |
366 |
149 |
132 |
98 |
4 |
|
Speerspitzen |
410 |
63 |
108 |
79 |
1 |
|
Schwerter |
|
146 |
79 |
|
|
|
Schildbuckel |
|
387 |
|
43 |
|
|
Schildfesselbeschlge |
|
215 |
|
11 |
|
|
Bgen |
7 |
|
|||
|
Pfeilspitzen |
|
201 |
|
123 |
|
|
xte |
|
30 |
|
2 |
|
|
Pferdegeschirr |
10 |
|
|||
|
Kmme |
140 |
||||
|
Feuersthle |
124 |
|
|||
|
Feuerschlagsteine |
24 |
|
4 |
|
|
|
Ahlen/Wetzsthle |
ca. 137 |
|
|||
|
Messer |
ca. 340 |
|
ca. 25 |
1 |
Platz A erbrachte den umfangreichsten Teil des Fundmaterials aus Illerup, der zudem das weiteste Spektrum unterschiedlicher Fundgruppen aufweist. Schwerter, Schilde sowie andere, quantitativ weniger bedeutende Fundgruppen sind bislang noch nicht Gegenstand einer eingehenden wissenschaftlichen Analyse gewesen, so da unsere Fundstatistik in diesem Punkt als vorlufig zu betrachten ist. Auch die Verteilung der Waffen und Ausrstungen auf die einzelnen Niederlegungen ist mit gewissen Unsicherheiten verknpft, da es nicht in allen Fllen mglich ist, sicher zwischen Platz A und B zu unterscheiden. Dies betrifft aber ausschlielich jene Funde, die vom sdlichen Seeufer stammen.
Der vorherrschende Lanzenspitzentyp von Platz A ist der Typ Vennolum, von dem insgesamt 316 Exemplare vorliegen (1, 95 ff.); Speerspitzen vom Typ Simris sind 306 mal vertreten (1, 187 ff.). Bei Platz B dominieren Lanzen- und Speerspitzen des Typs Skiaker mit 111 (1, 111 ff.) bzw. 104 (1, 210 ff.) Exemplaren, whrend Platz C unter anderen 38 Lanzenspitzen vom Typ Mollestad (1, 79 ff.) und 57 vom Typ Havor (1, 53 ff.) sowie 60 Speerspitzen vom Typ Sttra (1, 240 ff.) erbrachte. Die jngste Niederlegung des Fundes besteht u. a. aus drei Lanzenspitzen des Typs 19 (1, 142 ff.) und einer Speerspitze des Typs Tveito (1, 246 ff.).

b: Schwerter, Schwertscheiden und Schwertgurte
Zu den Schwertern aus Illerup zhlen Klingen (zum Teil mit Angel), Schwertscheiden und Schwertscheidenbeschlge sowie Schwertaufhngungen. Die Klingen sind bislang noch nicht wissenschaftlich untersucht, 48 vollstndige Schwerter knnen aber schon heute sicher mit Platz A verknpft werden, whrend 45 komplette Stcke aus dem durchmischten Areal am sdlichen Seeufer stammen. Platz C mssen mindestens 47 vollstndige Klingen zugerechnet werden (4). Vorlufig sind weiterhin 146 unvollstndige Klingen Platz A/B zuweisbar, whrend 79 Platz C angehren. Von den vollstndigen Klingen aus Fundkonzentrationen von Platz A sind 33 durch einen Blattquerschnitt mit vier Facetten auf jeder Klingenseite charakterisiert, whrend die Blattlnge zwischen 61 und 78 cm variiert. Die Griffzungenlnge zeigt zwei unterschiedliche Gruppierungen, die um 13 cm bzw. 18 cm liegen. Die Schwertklingen von Platz C weisen in aller Regel drei Facetten auf jeder Blattseite auf, die Blattlnge ist grer als 76,5 cm, die Griffzungenlnge schwankt zwischen 10,5 und 13,5 cm. Zahlreiche Klingen von Platz A/B sind mit Stempelmarken versehen (6, 99 ff.), einige weisen Einlagen auf (5, 109 ff.).
Aufgrund der besonderen Erhaltungsbedingungen und der rituellen Zerstrung vor der Deponierung ist nur bei einem Teil der Schwerter der Griff erhalten (3, 329 ff.). Zu den kurzen Griffangeln der Schwerter von Platz A gehren flache, linsenfrmige Knufe und Parierstcke, whrend annhernd kugelfrmige Knufe und halbkugelfrmige Parierstcke mit den relativ lngeren Griffangeln zu verknpfen sind. Da das Material von Platz C verbrannt ist, sind von diesem Komplex nur sehr wenige Grifffragmente erhalten, darunter ein Knauf mit Tierkopfenden (6, 99 ff.).
Die Schwertklingen wurden im Allgemeinen nicht zusammen mit Schwertscheiden aufgefunden; dagegen sind Schwertscheidenfragmente oftmals in Kombination mit Schwertgurten entdeckt worden, diese jedoch nur in den Fundkonzentrationen von Platz A. Der ergrabene Teil von Platz A enthlt zwar mehr als 100 Schwertklingen, dagegen kennen wir hier nur 55 Ortbnder, 57 Riemenbgel und ca. 60 Schwertgurtstze. Aufgrund der Erhaltungsbedingungen sind lediglich die Balteusbeschlge berliefert, wobei diese oftmals zusammen mit Schwertscheiden aufgefunden wurden; dies ermglicht wiederum die sichere Trennung dieser Stcke von solchen anderer Funktionsgruppen (3, 299 ff.). Zwei Haupttypen von Schwertgurten knnen unterschieden werden, wobei der erste geschlossen ist, whrend der zweite geffnet werden konnte. Das ersterwhnte, geschlossene System, das keine Mglichkeit zur variablen Einstellung der Riemenlnge erlaubt, mu als Produkt germanischer Produktion betrachtet werden und wird primr durch die beiden Endbeschlge charakterisiert, durch die der Schulterriemen im Bereich der eigentlichen Schwertscheide verschlossen wurde; wenn dieser Gurttyp mit einer Schnalle ausgestattet ist, so weist diese einen Dornverschlu auf. Die betreffenden Balteusbeschlge sind gelegentlich aus Silber, meist jedoch aus Bronze gefertigt. Die offenen Schultergehnge sind mit einer runden Beschlagplatte mit se ausgestattet oder aber mit gegossenen bronzenen Doppelknpfen versehen, die aus rmischer Produktion stammen; sie erlaubten eine flexible Einstellung der Riemenlnge. Die Schwertgurte sind alle mit Platz A zu verknpfen. Zu den germanischen Schwertgurten gehren germanische Schwertscheidenbeschlge, z. B. runde Ortbnder, zu den rmischen z. B. peltafrmige, gegossene Ortbnder. Von Platz C liegen Riemenbgel aus Bronze mit Tragesen vor (6, 103).
c: Das Schildmaterial ist uerst komplex, da auch Holz weitgehend erhalten ist. Das gilt jedoch nur fr den lteren Teil des Fundes, da das Material von Platz C vor der Deponierung einem Feuer ausgesetzt wurde. Ein Eindruck der Fundmenge ergibt sich durch die insgesamt 425 typenbestimmten Schildbuckel, von denen 383 Platz A/B und 42 Platz C zuweisbar sind. Ein groer Teil der Schildbuckelfragmente reprsentiert vermutlich kaum jeweils einzelne Exemplare. Die Analysen haben gezeigt, da die Schildbuckel von Platz A und Platz B aufgrund typologischer Kriterien nicht sicher getrennt werden knnen, so da hier mit der Bezeichnung Platz A/B fr die ltesten Schilde des Fundes operiert wird. Zur Unterscheidung der Schildbuckel von Platz A/B von jenen von Platz C ist die Ausformung des Schildbuckelrandes von wesentlicher Bedeutung, da flache Rnder fr die ltere Gruppe charakteristisch sind, whrend sich trichterfrmige Rnder bei den Stcken von Platz C finden. Bezglich Platz A/B sind fnf Schildbuckel aus Silber, 30 aus Bronze und 248 aus Eisen hergestellt; die Buckel von Platz C sind alle aus Eisen gefertigt.
In einigen Fllen sind vollstndige Schilde mit 5-8 Schildbrettern, Buckel, Fessel und Randbeschlag erhalten, in anderen erlauben auch die vorliegenden Fragmente, den Durchmesser der kreisrunden Schilde zu ermitteln. Er variiert bei 73 mebaren Stcken zwischen 870 mm und 1150 mm, wobei eine durchschnittliche Gre von 970 mm ermittelt werden kann.
In aller Regel wird Erlenholz fr die Schildbretter verwendet, whrend die Schildfesseln in den meisten Fllen aus Haselnu hergestellt wurden. Bei den Schildbrettern finden sich weiterhin Bretter aus Pappel, Eiche und Linde.
In einigen Fllen waren Reste einer roten Bemalung (HgS) der Schildbretter nachweisbar (3, 284), whrend Hinweise auf Bespannungen aus Leder fehlen (3, 283). Meistens werden die beiden schmalsten Schildbretter in der Mitte durch die Ngel des Schildbuckels bzw. der Schildfessel verbunden, der Schild ist zudem vom einem Schildrandbeschlag umgeben, der aus dem gleichen Material wie der Schildbuckel bzw. die Schildfessel gefertigt ist.
Alle Pferdegeschirre aus Illerup sind mit Platz A zu verbinden, wobei die meisten Garnituren fragmentiert in Fundkonzentrationen aufgefunden wurden; weitere, isoliert entdeckte Fragmente lassen sich ber typologische Spezifika oder ber mechanische Fragmentzusammensetzungen mit diesen verknpfen (3, 247 ff.). Wird das Pferdegeschirr in unterschiedliche funktionelle Einheiten untergliedert, so knnen zehn Gebistze, acht Zaumzeuge und 10 "Brustgeschirre" erkannt werden. Diese Menge reprsentiert aber vermutlich eine hhere Anzahl von Geschirren, deren brige Bestandteile mglicherweise noch in den nicht ergrabenen Teilen des Moores von Illerup verborgen sind. Die Beschlge sind - bis auf einige Ausnahmen - aus Silber oder Bronze hergestellt. Nur drei senbeschlge und vermutlich einige gespaltene Kernhlzer sind als Hinweise auf Sttel zu betrachten. Die Reiter selbst werden durch sechs Sporen reprsentiert, von denen fnf dem Typ Rllang zuweisbar sind, whrend es sich bei einem weiteren Stck um einen Stuhlsporn handelt (3, 273 f.).
Als persnliche Ausrstungen werden Leibriemen und jene Gegenstnde definiert, die unmittelbar am Grtel befestigt waren (2). Da Grtelausstattungen von Platz C nur sporadisch bekannt sind (6,102 ff.), mu das Material von Platz A hier im Vordergrund stehen, wobei drei Typen von Leibriemen unterschieden werden knnen. Typ 1, der uere, sichtbar getragene Grtel, umfat Riemenschnallen mit Riemenkappe, lffelfrmige Riemenzungen, Aufhngebeschlge mit groen Messern und Feuerzeugen; Typ 2, der innere, unter der Kleidung verborgene Grtel war mit Schnallen ohne Riemenkappe ausgestattet, Riemenzungen fehlen hier; dazu kommen kleine Messer sowie ein Beutel, in dem u. a. Kmme und Wertgegenstnde verwahrt wurden. Ein dritter Grteltyp, der insgesamt ca. 20% des Materials ausmacht, stellt eine Mischform von Typ 1 und Typ 2 dar. Der uere Grtel war oftmals mit einem zustzlichen Schulterriemen versehen.
Von den insgesamt 388 Riemenschnallen des Fundes knnen 40 Exemplare Pferdegeschirren und 18 Schwertgurten zugewiesen werden, whrend 287 als Bestandteile von Leibriemen aufzufassen sind. Die verbleibenden Stcke knnen in ihrer Funktion nicht sicher bestimmt werden, was auch fr die 23 Riemenschnallen von Platz C gilt (2, 138 ff.). Die 491 Riemenzungen gehren im allgemeinen den gleichen Funktionsgruppen wie die Riemenschnallen an (2, 176 ff.).
287 Riemenschnallen gehren zu Leibriemen, die entweder dem ueren bzw. dem inneren Typ zuweisbar sind. An den ueren Grteln waren die ca. 130 Feuerzeuge befestigt (2, 235 ff.), an den inneren die ca. 143 Kmme (2, 271 ff.). Die insgesamt 342 Messer sind mit beiden Grteltypen zu verknpfen (2, 265 ff.). Whrend die Feuersthle mit ihrem durchbohrten hlzernen Schaft an einer kurzen Lederschnur am Grtel befestigt waren, wurden die Feuerschlagsteine, Kmme und Wertgegenstnde in Form von Perlen, eimerfrmigen Anhngern, Denaren und Altmetall in Beuteln aufbewahrt (2, 228 ff.).
f: Zu den brigen Fundgruppen, von denen die meisten mit Platz A zu verknpfen sind, gehren Metall- und Holzwerkzeuge, darunter ein Ltkolben, eine Feile zur Herstellung von Perldraht und ein Hobel (3, 371 ff.), letzterer ist mit einer der insgesamt zehn Runeninschriften aus Illerup versehen. Zwei vergoldete Kolbenarmringe, ein tordierter goldener Halsring mit birnenfrmigem Verschlu sowie Goldbarren (3, 349 ff.) mssen reichen Ausrstungen zugewiesen werden. Von den 19 Fibeln sind 13 Platz A (Almgren VII sowie eine einzelne Almgren VI) zuzuordnen, whrend die beiden Fibeln von Platz C eine zweiteilige Armbrustkonstruktion aufweisen (6,102 f.).
Mit der Analyse der Fragmentzusammensetzungen kann bewiesen werden, da der Fund von Illerup aus umfassenden, zeitlich allerdings abgegrenzten Deponierungen von Waffen und Ausrstungen besteht, von denen Platz A sicherlich die grte Bedeutung bei der Interpretation der Befunde zukommt. Die Bearbeitung der Speer- und Lanzenspitzen fhrte zu einer Waffenchronologie (1), durch die der zeitliche Horizont der Waffendeponierungen in nordeuropischen Mooren seit der Periode B1 bis hin zur Periode D1 abgedeckt wird. So konnten 12 Waffenkombinationsgruppen definiert werden, die sich in der Zusammensetzung der jeweiligen Typen (Speer- und Lanzenspitzen, Schildbuckel und Schildfesselbeschlge) unterscheiden. Zudem ist durch die Fragmentzusammensetzungen und die chronologischen Studien nachweisbar, da der Fund von Illerup umfassende Deponierungen enthlt, die in einem zeitlichen Abstand von mehr als 100 Jahren an der gleichen Lokalitt vorgenommen wurden. Bei den Opfernden mu es sich somit um die lokale Bevlkerung gehandelt haben.
Mit Hilfe der persnlichen Ausrstungen von Platz A, darunter insbesondere Feuerzeuge und Kmme, kann die Herkunft der geopferten Ausrstungen aus dem westlichen Bereich der skandinavischen Halbinsel (Norwegen und die angrenzenden Teile Westschwedens) bestimmt werden (2, 374 ff.). Die Waffen selbst stammen dagegen aus unterschiedlicher Produktion; whrend Speere, Lanzen und Schilde im regionalen (skandinavischen) Umfeld hergestellt wurden, gelangten Schwertklingen und einige Schwertscheiden sowie einzelne Schwertgurte aus dem rmischen Imperium in den Norden.
In Verbindung mit der Bearbeitung der Prachtausrstungen von Platz A konnten die hierarchischen Strukturen (3, 483) analysiert werden; diese zeigen sich besonders deutlich bei den Schilden, von denen 5-6 silberne Schildbuckel mit dem ranghchsten Niveau, 30 bronzene Buckel sowie sechs als Bronze oder Eisen mit vergoldeten Preblechen mit einem darunter angeordneten Rang und mehr als 350 eiserne Schildbuckel mit einem wiederum darunter anzusiedelnden militrischen Rang zu verbinden sind. Auch das Pferdegeschirr, die Schwertgurte und Schwertgriffe drfen als Ausdruck eines hierarchischen Systems interpretiert werden. Die Ergebnisse der Untersuchungen der reichen Materialien aus Illerup knnen in hohem Mae auch auf jene Moorfunde angewendet werden, die bereits im letzten Jahrhundert ausgegraben wurden.
(1) J. Ilkjr, Illerup dal. Die Lanzen und Speere. Jutland Arch. Soc. Publ. 25, 1. 2 (Aarhus 1990).
(2) J. Ilkjr, Illerup dal. Die Grtel. Bestandteile und Zubehr. Jutland Arch. Soc. Publ. 25, 3. 4 (Aarhus 1993).
(3) C.v. Carnap-Bornheim u. J. Ilkjr, Illerup dal. Die Prachtausrstungen. Jutland Arch. Soc. Publ. 25, 5. 6. 7. 8 (Aarhus 1996).
(4) J. Ilkjr, Das Mooropfer von Illerup dal - Der Stand der Bearbeitung im Jahr 1994. In: C. v. Carnap-Bornheim (Hrsg.), Beitrge zu rmischer und germanischer Bewaffnung in den ersten vier nachchristlichen Jahrhunderten. Kolloquium Marburg (Lublin/Marburg 1994) 233-248.
(5) M. Biborski, Rmische Schwerter mit Verzierung in Form von figrlichen Darstellungen und symbolischen Zeichen. In: C. v. Carnap-Bornheim (Hrsg.), Beitrge zu rmischer und germanischer Bewaffnung in den ersten vier nachchristlichen Jahrhunderten. Kolloquium Marburg (Lublin/Marburg 1994) 109-135.
(6) J. Ilkjr u. J. Lnstrup, Der Moorfund im Tal der Illerup- bei Skanderborg in Ostjtland (Dnemark). Vorbericht. Germania 61, 1983, 95-116.
(7) A. Daly, Dendrokronologisk undersgelse af tmmer fra Illerup dal, rhus Amt. Nationalmuseets Naturvidenskabelige Undersgelser, Rapport nr. 2, 1998.